Simons Lieblingsfilme 2019

Die Oscars sind vorbei und die meisten Filme aus dem amerikanischen Kinojahr 2019 waren auch in Deutschland zugänglich. Es ist Zeit für eine Top 10: Simon präsentiert seine zehn Lieblingsfilme des Jahres 2019 und eine lange Liste mit Honorable Mentions!

What a year, again! Im Jahr 2019 habe mich auf einer einsamen Insel nach dem Licht im Leuchtturm gesehnt, bin ums Feuer getanzt und habe zu viel Alkohol getrunken. Beim Ausnüchtern habe ich Elton getroffen, zuerst in rot, dann in weiß. Ich habe die Reichen an der Wall Street ausgenommen und bin für das Anstreichen fremder Häuser gemeinsam mit Jimmie Fails in Schwierigkeiten geraten. Ich habe mit Jo und ihren Schwestern auf dem Dachboden Theater gespielt und bin ein letztes Mal auf einem Drachen geritten. Und am Ende, ganz am Ende, da hat sich das Daumendrücken gelohnt, denn der Goldjunge ging nach Südkorea.

Simons “Honorable Mentions”, unsortiert:

Zwei Animationsfilme haben es knapp nicht in meine Top 10 geschafft: In dem viszeralen Film I Lost My Body (6,0), einer französischen Produktion des Regisseurs Jérémy Clapin, bricht eine Hand aus einem Kühlschrank aus, um den Rest ihres Körpers zu finden. How to Train Your Dragon: The Hidden World (6,0) führt das Wikinger-Drachen-Franchise von DreamWorks zu einem tränenreichen, aber wunderschönen Abschluss.

Neben HTTYD sah das Jahr 2019 viele weitere Franchises enden. Leider traf nicht jeder Schlusspunkt meinen Geschmack, Avengers: Endgame (6,5) schon: Das dreistündige Epos hat zehn Jahre Marvel mit einem besonders hübschen Schleifchen zusammengebunden. Kevin Feige und das Marvel-Team haben eine Erwähnung verdient, auch wenn es nicht ganz für die Top 10 gereicht hat.

Einige großartige Independent-Filme müssen sich ebenfalls mit Honorable Mentions zufrieden geben: Zum einen wäre da der skurrile Film The Lighthouse (6,5) von Robert Eggers mit Willem Dafoe und Robert Pattinson, ein Film, den ich sehr bewundere, zum anderen “Stressfilm” Uncut Gems mit einem herausragenden Adam Sandler. (Vor wenigen Monaten hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Adam Sandler jemals in einem Film mitspielen würde, der beinahe meine Top 10 knackt.) Auch den spanischen Oscar-Kandidaten Leid und Herrlichkeit (Pain and Glory; 6,0) mit Antonio Banderas und die besonders kleinen Filme The Mustang (6,0) mit Matthias Schoenaerts als pferdezähmender Gefängnisinsasse und Luce (6,0), ein spannender Thriller mit Kelvin Harrison Jr. als Schüler von Geschichtslehrerin Octavia Spencer, kann ich nur empfehlen. Es sind echte Filmperlen, die man anschauen muss, wenn sich die Möglichkeit bieten sollte.

Verfügbar auf Abruf bei Netflix sind zwei mehrfach oscarnominierte Filme, die mich beeindruckt haben: Marriage Story (6,5) ist eine Meisterklasse in Sachen Schauspiel und Drehbuch. Adam Driver und Scarlett Johansson hätten beide Oscars gewonnen, wenn es nach mir gegangen wäre. In The Two Popes (6,0) haben mich nicht nur die Performances von Anthony Hopkins und Jonathan Pryce begeistert, sondern auch spannend geschnittene Sequenzen im Vatikan und unerwarteter Humor.

Zuletzt möchte ich auf eine Dokumentation hinweisen: Für For Sama (6,5) hat Waad Al-Kateab ihre Erlebnisse in Aleppo, Syrien, dokumentiert. Die Doku umspannt fünf Jahre inklusive der Geburt ihrer Tochter und der Belagerung der Stadt in 2016. For Sama hat mir die Sprache verschlagen. Die Dokumentation ist ein Zeugnis der Grauen unserer Zeit, das so viele Menschen wie möglich sehen müssen.

Simons Top 10: Zahlen und Fakten

Nun zu meinen Top 10 Lieblingsfilmen des Jahres 2019, ein paar Zahlen und Fakten vorweg:

  • Die zehn Filme haben insgesamt neun Oscars gewonnen, wobei ein Film gleich vier Siege verbuchen konnte.
  • Sie haben international etwa 1,32 Milliarden US-Dollar eingespielt (Stand: 8. März 2020, via Box Office Mojo), wobei die Spanne zwischen 374,3 und 4,6 Millionen US-Dollar gigantisch ist. Vier Filme konnten 200 Millionen US-Dollar oder mehr einspielen.
  • In den Filmen wird hauptsächlich Englisch gesprochen, aber auch Französisch, Mandarin, Koreanisch und sogar ein paar Worte Deutsch. “Gesundheit.”
  • Auf meiner Liste herrscht ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, was den Regieposten angeht: Filme von fünf Regisseurinnen und fünf Regisseuren sind vertreten.
  • Auch die erzählten Geschichten sind vielseitig: Fünf Filme fokussieren Geschichten von Frauen, in vier Filmen stehen primär Männer im Vordergrund. Der zehnte Film ist ein Ensemblestück mit Frauen und Männern in den zentralen Rollen. Mitglieder der LGBTI*-Community haben in drei Filmen große Auftritte.

Platz 10: Rocketman (6,0), Regie Dexter Fletcher

Wenn man einen Film drei Mal innerhalb einer Woche sieht, dann hat einen das Fieber gepackt – und mein Fieber heißt “Crocodile Rock”! Zunächst hatte ich Rocketman im Kino verpasst, aber Monate später bot sich unverhofft noch einmal die Chance, wofür ich sehr dankbar bin. Rocketman ist zwar kein perfekter Film, aber er hat das Herz an der richtigen Stelle und entfaltet Suchtpotential – aber diese Droge ist nicht gefährlich, zumindest solange man das Mittanzen auf das eigene Wohnzimmer beschränkt.

Platz 9: Once Upon a Time… in Hollywood (6,5), Regie Quentin Tarantino

Für uns von Moviefalcon stand 2019 ganz im Zeichen Hollywoods. Wie passend, dass uns Quentin Tarantino im gleichen Jahr sein persönliches Hollywoodmärchen präsentiert. Ich liebe Film, ich liebe Hollywood, und mit Once Upon a Time… in Hollywood hat Tarantino für mich einen Volltreffer gelandet. Nicht zu vergessen, einer meiner Kinomomente des Jahres: Nichtsahnend sitzen Vera, Phil und ich im Kino und beobachten Brad Pitts Cliff Booth beim Herumfahren durch L.A., als er plötzlich “unsere” Auffahrt auf den Highway nimmt… Ich will zurück!

Platz 8: Hustlers (6,5), Regie Lorene Scafaria

Wie die Protagonistinnen war dieser Film finanziell enorm erfolgreich, Hustlers hat über $15o Millionen auf einem Produktionsbudget von $20 Millionen eingespielt! Hustlers ist sexy, düster und von Anfang bis Ende unterhaltsam. Jennifer Lopez, inzwischen 50 Jahre alt (!), führt eine Gruppe hübscher Frauen im dreckigen Kampf ums Geld der Wirtschaftsbosse an der Wall Street an. Regisseurin Lorene Scafaria entführt uns in eine Welt von Nachtclubs, Beats, Pelz und Sexappeal, die man nicht verlassen möchte, aber alles Gute hat irgendwann ein Ende.

Platz 7: The Last Black Man in San Francisco (7,0), Regie Joe Talbot

Der erste perfekte Film auf dieser Liste: The Last Black Man in San Francisco ist selbst wie ein altes Haus, in das man sich verliebt, sobald man es betritt. Gemeinsam mit Jimmie und Mont findet man Gemütlichkeit und Wunder in San Francisco, einer Stadt, die sich verändert. Besonders hervorzuheben ist die Filmmusik von Emile Mosseri, die zu den besten Filmmusiken des Jahres gehört. The Last Black Man in San Francisco hätte viel höhere Wellen schlagen müssen, stattdessen muss man sich anstrengen, ihn überhaupt vor Gesicht zu bekommen. Die Mühen lohnen sich!

Platz 6: Jojo Rabbit (6,5), Regie Taika Waititi

“Jojo, you’re our top man. Prepare to leave the house.” Die exzellenten Trailer hatte meine Erwartungen an die Satire Jojo Rabbit von Regisseur Taika Waititi über Nazideutschland während des zweiten Weltkrieges mit einem imaginären Hitler in die Höhe geschraubt. Das ist immer gefährlich! Jojo Rabbit hält aber, was er verspricht. Es ist beeindruckend, wie Waititi Humor und Tragik jongliert. Hier hätte sehr viel schief gehen können! Jojo Rabbit ist ein herzerwärmender Film über das Überkommen und Hinterfagen von Vorurteilen, den jede*r gesehen haben sollte.

Platz 5: Booksmart (7,0), Regie Olivia Wilde

Getting Straight A’s. Giving Zero F’s. Nachdem es Eighth Grade (2018) nie nach Deutschland geschafft hat, war ich skeptisch, ob Booksmart überhaupt einen German Release erhält. Umso dankbarer war ich, als ich Booksmart in einer Sneak erwischt habe. Ganz ehrlich: Mehr gelacht habe ich in keinem Film in 2019! Olivia Wildes Regiedebüt ist zum Schreien komisch, aber dabei so authentisch und ehrlich, dass es fast weh tut. Das ganze Ensemble ist bis in die kleinste Rolle perfekt gecastet. Über Billie Lourd als Gigi bin ich bis heute nicht hinweg gekommen. Panda?

Platz 4: Little Women (7,0), Regie Greta Gerwig

Auf meinem Nachttisch liegt neuerdings ein Exemplar von Louisa May Alcotts Little Women, 1868 und 1869 als zwei Bücher erstmalig veröffentlicht. Greta Gerwigs 2019-Verfilmung des Romans ist perfekt: Zwei Stunden lang wechseln sich Dauergrinsen und Dauerheulen ab. Gerwig hat die Geschichte nicht nur an die heutige Zeit angepasst und an der Chronologie der Ereignisse geschraubt, um andere Schwerpunkte zu setzen, sondern gleichzeitig auch Details aus Louisa May Alcotts Leben in Jo Marchs Geschichte verwoben und der Autorin damit ein Denkmal gesetzt. Little Women: Ein Film, der sich schon jetzt wie ein Klassiker anfühlt!

Platz 3: The Farewell (7,0), Regie Lulu Wang

Lulu Wangs The Farewell hat den Independent Spirit Award für den besten Independentfilm des vergangenen Jahres gewonnen – völlig zurecht! Die allermeisten Menschen haben eine enge Beziehung zu wenigstens einem Familienangehörigen, und das reicht schon, um in diesem Film Tränen zu vergießen. Die Emotionen im Zentrum dieser Geschichte, übrigens Wangs eigener Geschichte, sind universell gültig. Fast nebenbei zeigt der Film authentisch die Realität von Kindern, die in zwei verschiedenen Kulturen aufwachsen. The Farewell ist auf jeden Fall einer der besten Filme des Jahres!

Platz 2: Portrait of a Lady on Fire (7,0), Regie Céline Sciamma

Apropos beste Filme des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts… oder einfach “beste Filme aller Zeiten”, dieser gehört auf eine solche Liste: Portrait of a Lady on Fire, ein französischer Film von Regisseurin Céline Sciamma, ist exquisit. Im Film geht es um das Hinsehen und das Beobachten. Portrait ist ein feministischer Film, ein Liebesgedicht, ein intimer Schrei nach Freiheit, ein Sprung ins kalte Wasser, all das in den schönsten Bildern, die im vergangenen Jahr auf Film eingefangen wurden. Wer diesen Film verpasst, verpasst eine Sternstunde des Weltkinos.

Platz 1: Parasite (7,0), Regie Bong Joon-ho

Über Parasite muss man nicht mehr viel sagen. Das erste Mal seit vielen Jahren gewinnt mein Lieblingsfilm des Jahres den Oscar für den besten Film, aber viel wichtiger: Das erste Mal überhaupt gewinnt ein nicht-englischsprachiger Film! Historisch! Bong Joon-hos Parasite hat einen Nerv getroffen. Der Film ist von Anfang bis Ende unberechenbar – und für jedes Publikum unterhaltsam, weshalb ich fest davon überzeugt bin, dass man auch noch in Jahren über diese großartige Gesellschaftssatire sprechen wird. Ich werde es auf jeden Fall.

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

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