Simon schaut “Spider-Man: Far From Home” (2019)

Tom Holland und Jake Gyllenhaal auf Eurotrip: Weit weg von zuhause muss sich der junge Peter Parker einmal mehr entscheiden, ob er die Aufgabe, ein Superheld zu sein, annehmen möchte. Obwohl wir inzwischen viele Spidey-Filme gesehen haben, ist Far From Home besonders erfrischend in einem Post-Endgame-MCU. Vorsicht: Endgame-Spoiler folgen überall!

Simons Highlights

  • Jake Gyllenhaal und Tom Hollands Bromance
  • die Illusionssequenz in Berlin
  • Zendaya als MJ
  • die beiden Post-Credit-Szenen

Worum es geht

Fünf Jahre lang war die Hälfte allen Lebens verschwunden – so auch Peter Parker (Tom Holland) alias Spider-Man und viele seiner Freunde. Dann fanden die Avengers einen Weg, um alle zurückzuholen. In einer epischen Schlacht unterlag Thanos schließlich den Held*innen des Marvel-Universums in Avengers: Endgame (2019). Kein Wunder also, dass Peter nun einfach etwas Zeit haben möchte, um ein normaler Teenager zu sein. Ein Schulausflug nach Europa steht an, die perfekte Gelegenheit, um MJ (Zendaya) zu sagen, was er für sie empfindet. Er lässt sogar seinen Spider-Man-Anzug in New York bei seiner Tante! Doch egal ob in Nordamerika oder Europa, die Realität holt Peter schnell ein, denn eine Welt ohne Iron Man hat ein Vakuum hinterlassen. In Mysterio (Jake Gyllenhaal), einem Superhelden aus einem anderen Universum, findet Spider-Man einen Freund, der Peters Probleme in dieser komplizierten Welt versteht.

Simons Kritik

Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Dieses Motto gibt Ben Parker seinem Neffen Peter mit auf den Weg, das weiß jedes Kind. Das Zitat steht sinnbildlich für einen der wesentlichen Konflikte, der Spider-Man in nahezu jeder Adaption aufs Neue plagt: Peter Parker möchte lieben, leben, frei sein, und hat doch gleichzeitig die Kraft, so viel Böses zu verhindern, wenn er sich selbst zurücknimmt und stattdessen zwischen den Türmen New Yorks herumschwingt und hilft, wo er kann.

Far From Home ist der siebte Live-Action-Spider-Man-Film seit 2002, und es geht schon wieder um diesen essenziellen Konflikt. Peter will schon wieder nicht Spider-Man sein. Wieso fühlt sich Far From Home trotzdem an wie frischer Wind an Italiens Küste?

Mit der Kulisse Europas hat es wenig zu tun. Zwei andere Gründe spielen eine größere Rolle. Erstens ist es Tom Holland, der wie ein Wirbelwind durch seinen zweiten Film fegt und dabei die ganze emotionale Palette bereithält. Sein Peter ist wie schon in Homecoming (2017) ein authentischer Teenager. Holland ist geboren, um beide Rollen zu spielen, er ist der perfekte junge Peter Parker und der perfekte athletische Spider-Man.

Zweitens ist das Timing von Far From Home innerhalb des MCUs hervorragend, auch wenn es zunächst seltsam erscheint. Wie kann eine so “kleine” Geschichte die dritte Phase des MCU zu einem würdigen Ende bringen? Die Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Sommers sowie Regisseur Jon Watts setzen an den Geschehnissen von Endgame an und rahmen damit ihre Geschichte (insbesondere Tonis Tod hat natürlich große Auswirkungen auf Peter, vergleichbar mit dem Tod seines Onkels Ben in anderen Adaptionen), aber gleichzeitig treffen sie den Stil des ersten Films, denn Far From Home ist unglaublich lustig, eine Science-Fiction-Action-Highschool-Komödie. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die sich aus dem Nachspiel von Endgame ergeben, ohne die Notwendigkeit, sie abschließend zu klären. Vielmehr wird eine Welt gezeigt, die sich gerade finden muss – genauso wie Peter sich selbst auch. Man möchte mit ihm gemeinsam durchatmen, gönnt ihm den Urlaub, aber die Verantwortung schwebt über ihm wie ein Damoklesschwert.

Eine deutlich größere Rolle als im ersten Film hat Zendaya als MJ. Im Finale gibt eine Szene ihr die Möglichkeit zu zeigen, was für eine großartige Schauspielerin sie ist. Sie macht mit ihrer Mimik aus einer niedlichen Begegnung einen großartigen MCU-Moment. Mein Lieblingsschauspieler Jake Gyllenhaal feiert in Far From Home sein MCU-Debüt. Er spielt den mysteriösen Mysterio, eigentlich Quentin Beck, ein Superheld aus einem anderen Universum, dessen Kopf im Kampf von einer Glaskugel umgeben ist, der auf grünem Rauch schweben und grüne Blitze aus seinen Händen schießen kann – eine abstruse Mischung, die Marvel einmal mehr großartig umsetzt.

Leider wird Gyllenhaal in einer bestimmten Szene als Informations-Müllhalde missbraucht. Mit einem anderen Darsteller hätte an dieser Stelle der Film zerbrechen können. Die Verantwortlichkeit schiebe ich auf die Drehbuchautoren. Jake Gyllenhaal hat euch gerettet! Er glänzt besonders, wenn er sich Peter annimmt. In einem Interview hat er Mysterio als Onkelfigur beschrieben, großer Bruder würde aber ebenso passen. In einer Szene sitzt er neben Peter auf einem Gebäude in Prag und gibt ihm die Sicherheit, nicht nur Superheld, sondern auch er selbst sein zu dürfen – eine meiner Lieblingsszenen des Films. Mehr Jake Gyllenhaal, überall, bitte!

Apropos Lieblingsszene: Unangefochten auf Platz eins setze ich die Illusionssequenz in einer Lagerhalle in Berlin. Ohne zu viel zu verraten ist diese Szene für mich mit ihrer visuellen Komplexität und ihrer Bedeutung im Film das Highlight. Illusion und Realität, Lüge und Wahrheit, das sind große Themen in Spider-Man: Far From Home, die sich langsam aufschlüsseln, im Laufe des Films immer mehr Raum einnehmen, und schließlich die Post-Credit-Szenen auf einzigartige Art und Weise an die Handlung anbinden. Gleichzeitig sind es Themen, die in unserer Welt eine große Aktualität haben. In manchen anderen MCU-Filmen erscheinen die Szenen im Abspann beliebig, nicht so hier. Mehr wird aber nun wirklich nicht verraten…

Spider-Man: Far From Home ist nicht nur ein guter MCU-Film, sondern vor allem ein guter Spider-Man-Film. Auf ins Kino, aber nicht beim Schwingen texten!

6 von 7 Falken

Spider-Man: Far From Home (2019)
Spider-Man: Far From Home poster Regisseur: Jon Watts
Autor: Chris McKenna, Erik Sommers
Darsteller: Tom Holland, Jake Gyllenhaal, Jacob Batalon, Zendaya, Tony Revolori, Marisa Tomei, Samuel L. Jackson, Cobie Smulders, Jon Favreau
Laufzeit: 130 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Genre: Science-Fiction, Action, Highschool-Komödie
Erscheinungsdatum: 2. Juli 2019 (USA)
Awards:
Metacritics: 69
TomatoMeter: 90
Falkenscore: 6 von 7

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

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