Simon schaut “Ant-Man” (2015)

Ant-Man bietet zwei Stunden leichte Marvel-Unterhaltung und lässt uns unseren Fußboden mit anderen Augen sehen. Insbesondere die Actionszenen profitieren von den neuen Möglichkeiten, die ein winziger Superheld eröffnet. Leider kränkelt der Film an typischen Marvel-Problemchen.

Simons Highlights

  • Ant-Man und die Ameisen: Gemeinsam sind wir stark!
  • spannende neue Blickwinkel
  • Michael Peña als Luis: das Zusammenspiel seines Erzählstils mit Filmschnitt und anderen Darstellern

Worum es geht

Elektroingenieur Scott Lang (Paul Rudd) saß wegen Einbruchs in eine hochgesicherte Firma im Gefängnis und kommt nun auf freien Fuß. Doch draußen wartet wenig erfreuliches auf ihn. Der Umgang mit seiner kleinen Tochter wird ihm untersagt, der neue Mann seiner Exfrau ist nicht gut auf ihn zu sprechen und Arbeit findet Scott auch nicht. Er wohnt bei seinem Kumpel und ehemaligen Zellengenossen Luis (Michael Peña), der ihm von einem sich lohnenden Einbruch erzählt. Scott willigt nach anfänglichem Zögern ein, den Safe zu öffnen. Darin findet er jedoch nicht das erhoffte Bargeld, sondern einen alten Motorradanzug. Frustriert steckt er den Anzug ein und fährt mit Luis und dessen kleinkriminellen Freunden heim. Er ahnt nicht, dass der Anzug ihm die Möglichkeit eröffnet, sich auf die Größe einer Ameise zu schrumpfen…

Simons Kritik

Die Kleinen werden viel zu häufig unterschätzt. Marvel beweist mit Ant-Man einmal mehr, dass die breite Masse auch mit unbekannten Helden beeindruckt und mitgerissen werden kann. Der Film spielte über 500 Millionen Dollar ein, eine beträchtliche Summe für einen Film, der aufgrund des Titels von vielen belächelt wurde.

Größe – das Thema zieht sich durch den Film. Auch die ganz Kleinen können Großes bewirken. Scott Lang selbst ist einer dieser Kleinen, ein Außenseiter, der vieles verloren zu haben scheint und sich selbst in eine Sackgasse manövriert hat. Er ist ein Held der normalen Leute, ein Held wie Du und ich (okay, vielleicht fitter und mit mehr krimineller Energie), mit dem man sich identifizieren kann. Scott selbst besitzt keine Superkräfte wie Thor, Hulk oder Captain America.

Der Anzug, der Scott in die Hände fällt, verleiht ihm die Fähigkeit zu schrumpfen, wieder zu wachsen, wieder zu schrumpfen, wieder zu… Ihr versteht das Prinzip. Diese Fähigkeit steht im Mittelpunkt der Handlung, so wie es sich für einen Superheldenfilm gehört, wartet aber mit wenigen erzählerischen Überraschungen auf. Ein Problem Marvels besteht darin, ständig erklären zu müssen, wie die neuen Superhelden zu solchen geworden sind. Die Argumentation, warum ausgerechnet Scott den Anzug tragen muss, hat mich nicht überzeugt.

Ant-Man veranschaulicht zwei weitere Probleme des Marvel Cinematic Universe (MCU): Erstens muss es in jedem kommenden Film eine Rechtfertigung geben, warum die Avengers nicht eingebunden werden können oder sollen. In Ant-Man passiert das während eines hölzernen Dialogs. Zweitens investiert das MCU zu wenig in seine Bösewichte. Diese sind auch in Ant-Man unterentwickelt und eindimensional. Dass selbst der Marvel-Humor zwischendurch flach fällt und einige Witze nicht zünden, hat mir Kopfschmerzen bereitet.

Die schauspielerischen Leistungen sind solide. Michael Douglas als Mentor Hank Pym hat mir sehr gut gefallen. Besonders lustig und einzigartig ist Michael Peña in seiner Rolle. Er verleiht Luis, dem ehemaligen Zellengenossen Scotts, einen sehr eigensinnigen Erzählstil, der von anderen Darstellern, Regie, Kamera und Filmschnitt in seiner Komik unterstützt wird.

Das herausstechende Merkmal des Films ist die neue Welt, die sich uns dank Ant-Mans Schrumpferei eröffnet. In dieser Welt auf unseren Fußböden ist genug Platz für eine neue Art von Action, für innovative Kamerafahrten (Russell Carpenter) und Visuals, die wir so noch nicht gesehen haben. Zum Finale hin nimmt der Film diesbezüglich nochmal Fahrt auf. Der letzte Kampf findet an einem Ort statt, der mich schmunzeln ließ. Marvel und Regisseur Peyton Reed schrecken nicht vor Selbstironie zurück, wenn es darum geht, Groß und Klein gegeneinander auszuspielen. Peyton Reed wird auch beim Sequel Ant Man and the Wasp (voraussichtlich 2018) Regie führen.

Die Ameise ist eine schöne Metapher: Gemeinsam sind wir stark und können Großes bewegen. Unter Scotts Leitung werden die Insekten zu sechsbeinigen Schweizer Taschenmessern. Man schaut anschließend etwas anders auf die kleinen Lebewesen da unten. Ich hätte mir gewünscht, dass man einzelnen Ameisen noch mehr eigenen Charakter verleiht.

Es ist bewundernswert, wie es das Studio schafft, so schräge Prämissen wie in Ant-Man oder Guardians of the Galaxy (2014) in unterhaltsame Filme zu verwandeln, wobei die einzelnen Puzzleteile bei Letztgenanntem deutlich besser zusammen passen. Trotz seiner Schwächen macht Ant-Man genug Spaß für einen Sofa-Abend, an dem man einfach nur den Kopf ausschalten möchte. Ein zweites Mal ansehen muss ich ihn allerdings nicht.

4.5 von 7 Falken

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Ant-Man (2015)
Ant-Man poster Director: Peyton Reed
Writer: Edgar Wright (screenplay), Joe Cornish (screenplay), Adam McKay (screenplay), Paul Rudd (screenplay), Edgar Wright (story by), Joe Cornish (story by), Stan Lee (based on the comics by), Larry Lieber (based on the comics by), Jack Kirby (based on the comics by)
Stars: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll
Runtime: 117 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 17 Jul 2015
Awards: Nominated for 1 BAFTA Film Award. Another 3 wins & 29 nominations.
Metacritics: 64
TomatoMeter: N/A
Falkenscore: 4.5 von 7

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

2 Kommentare zu “Simon schaut “Ant-Man” (2015)

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