Fantastische Tierwesen können Harry Potters Welt nicht zerstören

Simons Kommentar zur Debatte, ob die geplanten Prequels der magischen Welt von Harry Potter den Zauber nehmen. Er sieht in den kommenden Filmen eine Chance.

Vor ein paar Tagen teilte eine Freundin einen Artikel von bento.de auf Facebook. Netzjournalistin Miriam Dahlinger legt in einem kurzen Kommentar dar, warum sie als Harry-Potter-Fan die angekündigten “Fantastic Beasts and Where to Find Them”-Filme von J.K. Rowling und Warner Bros. mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle nicht schauen wird.

Ihre Argumentation funktioniert in etwa so: Harry Potters magische Welt hat uns alle in ihren Bann gezogen, weil sie so groß ist, größer als in den Büchern behandelt, weil sie der eigenen Phantasie viel Raum gibt und einige Fragen unbeantwortet lässt. J.K. Rowling nimmt Harry Potter nun langsam aber sicher den Zauber, indem sie mehr und mehr Details verrät – egal ob durch ein Theaterstück, ihren Twitter-Account, oder eben bis zu fünf Prequels.

Dahlinger ist nicht alleine mit ihrer Meinung. Rowling löste nicht nur Freude über die Aussicht auf fünf neue Filme im Harry-Potter-Universum aus, sondern auch Entrüstung und Unverständnis. Ist Fantastic Beasts and Where to Find Them zu viel des Guten? Wird das Harry-Potter-Universum immer kleiner, weil es bald keine Geheimnisse mehr gibt? Geht es hier nur noch ums Geld? Von mir gibt es zwei dicke “Neins” und ein vorsichtiges “Vielleicht”.

Filme sollen Geld einbringen! Ohne Profit keine Filme.

Fangen wir so an. Natürlich soll mit Fantastic Beasts ordentlich Geld verdient werden, keine Frage! Das möchte jedes Studio. Und das ist auch gut so, denn Geld macht man meistens mit guten Filmen (Ausnahmen bestätigen die Regel… Transformers…). Gerade in diesem Jahr haben wir eindrucksvoll erlebt, wie ein Studio versucht, das Ruder bei einem seiner Franchises nach schlechten Kritiken herumzureißen. Es geht natürlich um das DC Universe, ebenfalls unter Warner Bros.

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) wurde nicht nur von Kritikern auseinander genommen, sondern auch viele Fans waren unglücklich. Für das erste Aufeinandertreffen der zwei größten Comic-Helden schlechthin hätte finanziell mehr abspringen dürfen. Momentan ist der Film “nur” der Fünfterfolgreichste des Jahres. Man hatte sich mehr vorgenommen. Warner Bros. betreibt seitdem sehr offen Schadensbegrenzung. Fans werden wieder ins Boot geholt, indem sie mit vielen Informationen über die kommenden Wonder Woman (2017) und Justice League (2017) versorgt werden. Das beste Feedback erhielt Ben Afflecks Batman, nur logisch ist also die Konsequenz, ihm einen Solo-Film zu spendieren. Warner Bros. möchte Geld mit Filmen verdienen, die Fans, Publikum und Kritiker zufriedenstellen.

Man könnte argumentieren, dass J.K. Rowling kein Geld mehr bräuchte – die Presse ist sich uneinig, ob sie nach einigen größeren Spenden weiterhin Milliardärin ist oder “nur noch” Multi-Multi-Multi-Millionärin. Völlig egal, ich sage, wie es ist: J.K. Rowling bräuchte diese Filme nicht zu machen, macht sie aber trotzdem. Sie scheint eine ziemlich gute Idee zu haben (fünf Filme!!), und ihre Ideen haben mich bisher nicht enttäuscht. Harry Potter ist ihr Baby – sie wird das nicht leichtfertig angehen. Und selbst wenn – wir verlieren dadurch nichts.

Lasst uns die Welt vergrößern.

Das bringt mich zur zweiten Frage: Wird das Harry-Potter-Universum kleiner oder langweiliger durch die neuen Filme? Nein, denn insbesondere in diesem Fall, in dem vermutlich nur Dumbledore und Grindelwald Schnittstellen zu den bestehenden Bänden darstellen, wird die Welt vergrößert. Uns werden neue Helden vorgestellt, mit denen wir mitfiebern können, bisher unerwähnte Charaktere mit ihren ganz eigenen Geschichten. Unbekannte Kreaturen werden von der Leine gelassen und fremde Umgebungen erforscht. J.J. Abrams ist es in Star Wars: The Force Awakens gelungen, eine ganze Reihe von Figuren zu etablieren, die in ihre eigenen Abenteuer aufbrechen und gleichzeitig eine neue Generation von Fans inspirieren und an altes Material heranführen.

Streng genommen haben wir bereits zwei Harry-Potter-Universen, nämlich das aus den Büchern und das aus den Filmen. Hier gibt es doch bereits Unterschiede, die wir gelernt haben zu akzeptieren. Ich lese die Bücher trotzdem noch genauso gerne. Auch ein schlechter Film (in meinem Fall war Harry Potter and the Goblet of Fire aus 2005 der erste Film, der mich enttäuschte) hat mich nicht davon abgehalten, die Bücher wieder und wieder zu lesen oder die anderen Filme zu schauen.

Ich bleibe im Moment.

Erstens muss ich nicht alles mögen, um Fan zu sein. Zweitens kann ich für mich entscheiden, wie ich mit Informationen umgehe, die mir nicht gefallen. Wurde Han Solos Mythos durch seinen Tod in Episode VII für immer zerstört? Natürlich nicht. Der Fakt, dass Dumbledore stirbt, macht seine Figur in den anderen Harry Potter Büchern nicht weniger genial. Ich denke nicht bei jeder seiner Szenen in den Filmen 1 bis 6 an seinen Tod, sondern bleibe im Moment.

Einer bestehenden Welt, einem bestehenden Produkt, wird nichts dadurch genommen, dass neue Elemente hinzukommen. Möchte ich mehr in J.K. Rowlings Harry-Potter-Welt erleben, oder möchte ich meine eigene Fantasie nicht weiter limitieren? Für mich ist das keine “entweder…, oder…”-Frage. Beides schließt sich nicht aus. Ich kann meine eigene Fantasie ausleben ohne Neuem abweisend gegenüber zu stehen. Wenn mir Fantastic Beasts nicht gefällt, dann pfeife ich drauf (The Matrix Reloaded, jemand?). So oder so, meine eigene Fantasie lasse ich mir von niemandem nehmen.

Ist Fantastic Beasts zu viel des Guten? Sicher nicht. Die Filme sind eine Chance, Harry Potters magische Welt um unerzählte, unerwähnte, ungedachte Geschichten zu bereichern. Ob ich mitgehe oder daheim bleibe, das ist natürlich eine individuelle Entscheidung. Meine Entscheidung lautet: Ich will unbedingt einen Showdown zwischen Dumbledore und Grindelwald sehen, bis die Zauberstäbe glühen – und wenn ich darauf vier Filme warten muss!

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

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