Simons “Game of Thrones” Tagebuch: Eintrag 8

Staffel 4 (2014), Folgen 6 bis 10:

Dieser Artikel ist der achte Teil von Simons GoT-Tagebuch. In diesem Eintrag schreibt er über Folgen 6 bis 10 der vierten Staffel. Hier gelangst Du zurück zum einleitenden Prolog und weiteren seiner Tagebucheinträge.

Da hat Tyrion den Salat. Tywin und Cersei haben ihn genau dort, wo sie ihn vermutlich seit seiner Geburt sehen wollten: Auf einer offiziellen Anklagebank, unbeliebt bei allen. Tyrion tut ihnen den Gefallen und hält sich nicht zurück, nachdem seine Geliebte, Shae, gegen ihn aussagt. Alle gegen Tyrion… so unfair. Er sieht seine einzige Rettung in der Forderung des Gottesurteils durch Kampf.

Doch Bronn will diesmal nicht. Wer kann es ihm verübeln? Tyrions Zelle wird zum Treffpunkt der männlichen High Society. Neben Jaime kommt auch Oberyn vorbei. Er hasst die Lannisters und sinnt auf Rache an Ser Gregor Clegane, dem Mountain, der zufälligerweise der Champion von Cersei im Kampf gegen Tyrions Champion sein wird. Oberyn willigt ein, für Tyrion zu kämpfen.

Der Berg und die Viper

Und was für ein Kampf das wird! In Folge 8 erfahren wir, warum Oberyn auch die Viper genannt wird. Ohne Rüstung und nur mit Speer macht er den Berg fertig. So gut einfach! Doch er will mehr. Er will das Geständnis von Ser Gregor, seine Schwester Elia getötet zu haben, und er will wissen, wer ihm den Auftrag dazu gab. Ein Blickwechsel zwischen Tywin und Oberyn gibt uns eine mögliche Antwort. Alles kommt anders – und ein weiteres Mal schreie ich den Fernseher an. Der am Boden liegende Ser Gregor überrascht Oberyn, gewinnt innerhalb weniger Sekunden die Oberhand und ermordet ihn brutal. Was für eine Szene! Tyrion wird von seinem eigenen Vater schuldig gesprochen.

Sein Bruder, Jaime, befreit ihn aus dem Kerker. Doch statt sich in Sicherheit zu bringen, hat Tyrion eine Rechnung zu begleichen. Er ermordet Shae und Tywin, Letzteren auf der Kloschüssel sitzend – ein nicht sehr ehrenhafter Ort, um zu sterben! Tywin hat es nicht anders verdient. Tyrion und Varys fliehen per Schiff.

Der gesamte Handlungsstrang in King’s Landing gefällt mir sehr gut, wenn Oberyn auch viel zu früh sterben musste… Uns erwarteten viele Überraschungen – und viel Spannung. Wie wird es weitergehen, wo King’s Landing nun seinen Regisseur und zwei Strippenzieher verloren hat?

Während ich durch meine Notizen schaue und überlege, worüber ich als nächstes schreibe, stelle ich fest, wie hervorragend die ganze Staffel war! Es gibt so viele erwähnenswerte Szenen, zum Beispiel den epischen, brutalen Kampf zwischen Brienne und Sandor, bei dem uns die Serienmacher vor eine schwere Entscheidung stellen, da wir beide Charaktere auf ihre jeweilige Art mögen. Am Ende unterliegt der Bluthund und Arya lässt ihn zum sterben zurück. Ihn töten? Nein. Er stand wohl nicht mehr auf ihrer Liste. Eine andere Szene, die ich nicht vergessen kann, ist Lysas Ausflug durch das Mondtor. Petyrs Geständnis, immer nur Catelyn geliebt zu haben, ist eiskalt. Die Szene mit den Lords des Tals ist sehr spannend, weil völlig offen ist, wie sich Sansa entscheidet. Soll sie für Petyr lügen, oder ihn verraten? Sansa und Petyr schützen sich gegenseitig, ein gefährliches Spiel für die junge Stark. Sie hat die besten Lehrmeister, wenn es um Lügen und Intrigen geht…

Auf nach Braavos und in den Süden

Arya segelt am Ende der Staffel nach Braavos. Apropos Braavos: Ehrlich gesagt war die Szene zwischen Stannis und der Bank von Braavos die einzige, die für mich nicht wirklich in die Staffel passte. Das System, dass sich die Könige von Westeros hier persönlich behaupten müssen, gefällt mir nicht. Mir ist unklar, welche Macht diese Bank gegenüber ihren Vertragspartnern hat. Vielleicht wird ihre Rolle in der nächsten Staffel näher beleuchtet.

Daenerys schläft mit Daario, danach läuft es nicht mehr so gut. Jorahs Verrat wird aufgedeckt und Daenerys sieht sich gezwungen, ihn zu verstoßen. Irgendwann musste das ja herauskommen… Als ihre Drachen dann auch noch ein Menschenkind mit einer Ziege verwechseln, schließt die Mutter der Drachen zwei ihrer Kinder weg. Verdammt! Ob das die Lösung der Probleme ist, wage ich zu bezweifeln. Die Gute hat keinen Plan, wie sie ihre menschenfressenden Reptilien erziehen soll. Währenddessen entwickelt sich eine vorsichtige Liebesgeschichte zwischen Missandei und Grey Worm. Sweet.

You know nothing

In Staffel 4 hat mich der Norden wieder abgeholt. Während ich in den ersten drei Staffeln nur anteilig Interesse an den Geschehnissen jenseits der Mauer zeigte, spitzt sich der Konflikt zwischen Nachtwache und Wildlingen (endlich) zu. Wir bekommen eine ganze Folge an der Mauer. Die Wildlinge greifen die Schwarze Festung von zwei Seiten an: Eine kleinere Gruppe, angeführt von Tormund und Ygritte, die mit Jon den Weg über die Mauer wagte, kommt von Süden, und die große Streitmacht unter Mance Rayder, inklusive Riesen, von Norden.

Die Folge ist atemberaubend. Die Mauer ist ein einzigartiger Schauplatz für eine Belagerungsschlacht, übersichtlicher als King’s Landing. Die eine oder andere Überraschung wartet auf uns, zum Beispiel Riesenpfeile und ein gigantischer Anker, der die Belagerer daran hindert, die Mauer zu erklimmen. (Wie haben die den dort hochbekommen?) Ygrittes Tod ist der emotionale Höhe- und ein tragischer Schlusspunkt in ihrer Beziehung mit Jon. Sie stirbt in seinen Armen und darf ein letztes Mal die Worte sagen, die sie in der Welt in- und außerhalb von Game of Thrones berühmt gemacht haben: “You know nothing, Jon Snow.”

Jon beschließt, Mance Rayder zu töten und so die Einigkeit der Wildlinge zu brechen. Er verlässt die sichere Seite der Mauer. Völlig unerwartet greift Stannis mit Reitern an und zerschlägt damit die Streitkraft der Wildlinge. Wie vermutet hat Stannis den wahren Feind erkannt, den Feind im Norden. Steht er nun auf der richtigen Seite der Geschichte?

Abschluss

Noch weiter nördlich verlieren wir eine weitere Figur, nämlich Jojen. Kurz bevor Bran und seine Gefährten den Baum aus Brans Visionen erreichen und dort die dreiäugige Krähe treffen, kommt es zum Kampf gegen Skelettkrieger, in dem Jojen zunächst lebensgefährlich verwundet, dann von seiner Schwester getötet und anschließend verbrannt wird. Der wird kein Zombie. Die Szene ist sehr spannend – und ich freue mich, dass Bran endlich eine Etappe abgeschlossen hat und es nun weitergeht. Wie auch in den anderen drei Staffeln von Game of Thrones werden in Folge 10 Handlungen gebündelt oder abgeschlossen und Zwischenziele erreicht. Eine hervorragende Staffel, deren Highlights zwar der Roten Hochzeit keine Konkurrenz machen, aber sehr gleichmäßig auf die zehn Folgen verteilt sind und niemals Langeweile aufkommen lassen! Eine Lieblingsszene kann und will ich nicht benennen.

Lieblingsfiguren

Jon (Kit Harington) beweist, was er drauf hat. Er organisiert die Verteidigung der Mauer und es zeigt sich, was für ein ausgezeichneter Stratege er sein kann. Die Szene zwischen ihm und Ygritte (Rose Leslie), in der sie es ein zweites Mal nicht schafft, ihn zu erschießen, zementiert seinen Platz 1 und ihren Platz 2 auf meiner Liste. Einerseits ist es natürlich schade, dass sie sterben musste. Doch andererseits kann man Game of Thrones nicht besser verlassen, als in den Armen der Person, die man auf tragische Weise liebt, während rundherum die Schlacht tobt. Und die Musik… eine super Folge, die ich jetzt am liebsten wieder anschalten würde. Zunächst verrate ich noch meinen Platz 3, und der geht an Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), weil er seinen Bruder befreit. Dieses Mal war es wirklich schwer, ich würde Tyrion und Oberyn so gerne ebenfalls aufnehmen, doch ohne Jaime hätte Tyrion wohl für den Wutausbruch (und genialen Monolog) während seines Prozesses bezahlt. Im direkten Vergleich zwischen Oberyn und Ygritte offenbaren sich viele Parallelen, doch Oberyns Tod war letztendlich Produkt seiner eigenen Leichtsinnigkeit. Ygritte konnte Jon nicht töten, als sie die Chance hatte, und alleine dafür hat sie ihren Platz 2 verdient.

… und wer in Staffel 5 möglichst schnell ins Gras beißen soll

Cersei (Lena Headey) ist wieder da! Eigentlich hätte sie bereits in Eintrag 7 einen Platz auf dieser Liste verdient, aber ich habe sie vergessen. Glück gehabt, dafür gibt es nun goldenes Edelmetall! Sie wollte ihren Bruder opfern, hat den Prozess gegen Tyrion geschickt inszeniert und (vermutlich gemeinsam mit ihrem Vater) ganz King’s Landing gegen ihn aufgebracht. Dafür verdient sie Platz 1, wenn ihr auch Petyr Baelish (Aiden Gillen; Platz 2) und die Boltons (Platz 3) auf den Fersen sind. Petyr ist unberechenbar. Hoffentlich verdirbt er Sansa nicht! Der Mord an Crazy Lysa konnte zwar bejubelt werden, doch er zeigte auch, dass er zu allem bereit ist. Und das ist immer gruselig. Und die Boltons? Die häuten ihre Feinde! Widerlich, dass ihr Wappen nun Winterfell ziert.

Vielleicht bekomme ich ja einen meiner Wünsche erfüllt, und wir verabschieden uns in Staffel 5 von Cersei, Petyr oder Ramsay Bolton. In Staffel 4 haben wir zwar Ygritte und Oberyn verloren, aber auch Joffrey, Lysa und Tywin. Die Mauer hielt der Belagerung stand und Stannis ist auf die gute Seite der Macht gewechselt. Gab es je eine so publikumsfreundliche Season? Muss ich Angst vor Staffel 5 haben?

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

Ein Kommentar zu “Simons “Game of Thrones” Tagebuch: Eintrag 8

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