Simons “Game of Thrones” Tagebuch: Eintrag 4

Staffel 2 (2012), Folgen 6 bis 10:

Dieser Artikel ist der vierte Teil von Simons GoT-Tagebuch. In diesem Eintrag schreibt er über Folgen 6 bis 10 der zweiten Staffel. Hier gelangst Du zurück zum einleitenden Prolog und weiteren seiner Tagebucheinträge.

Was für ein Finale! Folge 9 spielt einzig und allein in King’s Landing und der Blackwater Bucht. Stannis Baratheon ist mit einer großen Flotte unterwegs, will die Stadt einnehmen und seinen rechtmäßigen Anspruch auf den Eisernen Thron mit Gewalt durchsetzen. Er hat die Rechnung ohne Tyrion und dessen Seefeuer gemacht. Grüngelbe Flammen verbrennen einen großen Teil von Stannis Flotte. Nicht nur visuell, sondern auch emotional gibt die Folge einiges her. Tyrion wird im Nahkampf von einem Attentäter aus den eigenen Reihen verwundet und von Podrick, seinem tollpatschigen Knappen, gerettet. Ab und an wird zu Cersei und den adeligen Damen in den Turm geblendet. Sie vergiftet beinahe ihren Sohn Tommen, weil sie denkt, die Schlacht sei verloren. Was für ein tragischer Moment das geworden wäre! So sehr ich Cersei hasse, ich saß am Rand des Betts und habe den Laptop angebrüllt, sie solle das Fläschchen wegwerfen! Dank Tyrion und der Hilfe von Tywin Lannister und den Tyrells wird Stannis vernichtend geschlagen.

Das Helms Klamm von Game of Thrones

Etwas irritiert hat mich in Folge 10, dass Stannis plötzlich wieder daheim in Drachenstein ist. Irgendwie dachte ich, er sei auf der Mauer gefangen genommen worden, aber da scheine ich seine eigenen Leute mit Lannistersoldaten verwechselt zu haben. Ich habe wohl nicht richtig aufgepasst, dabei saß ich wie gebannt vorm Bildschirm! Ich mochte, dass Folge 9 aus dem Muster vieler paralleler Handlungsstränge ausgebrochen ist und die Schlacht episch und in voller Länge inszeniert wurde. Ich fühlte mich an Herr der Ringe: Die zwei Türme (2002) und die Schlacht um Helms Klamm erinnert. Episch! Beste Folge!

Unbefriedigend aber in typischer Game of Thrones-Manier kriegt niemand mit, welchen Anteil Tyrion am Sieg über Stannis hatte. Sehr schade. Ich hoffe, seine Familie lernt seinen Anteil irgendwann zu schätzen. Wer weiß, vielleicht hat sogar Tyrion irgendwann die Chance, König zu werden. Meine Stimme hätte er. Er hat die Stadt gerettet – und auch ohne Anerkennung beschließt er, das Spiel weiter zu spielen. Das Spiel aller Spiele, the game of thrones.

Zurück zu Cersei. Wir erfahren in der zweiten Hälfte der Staffel viel über ihre Motivation, unter anderem durch ihre Gespräche mit Sansa und Tyrion. Cersei ist eine der wenigen Figuren, die in einer gemeinsamen Szene mit Tyrion nicht von ihm in den Schatten gestellt werden. Das liegt vor allem an der großartigen Schauspielerin Lena Headey. Cersei deutet an, dass sie die Kontrolle über Joffrey verloren hat. Doch sie liebt ihre Kinder, und nur ihre Kinder. Vertrauen tut sie niemandem und rät Sansa, ebenso niemandem zu trauen und niemanden zu lieben. Lena Headey macht Cersei zu einer der spannendsten Figuren in Game of Thrones, wenn man sie auch hasst.

Männer mit und ohne Ehre

Apropos: Was macht Lover Jaime? Für einen kurzen Moment dachte ich, er wird von Catelyn getötet. Ganz im Gegenteil, Mutter Stark lässt ihn frei – im Austausch für ihre Töchter, so die Theorie. Brienne hat eine neue Mission und soll den unberechenbaren Lannister nach King’s Landing bringen. Brienne und Jaime, das kann ja was werden.

Der Höhepunkt von Folge 7 ist, als Theon, ein Mann ohne Ehre, die verbrannten Kinderkörper in Winterfell präsentiert. Wir wissen, dass Bran und Rickon noch leben – doch Winterfell weiß dies nicht. Der Titel der Folge war (wie so häufig) hervorragend gewählt, ist Theon schließlich nicht der einzige Charakter, auf den diese Bezeichnung zutrifft. In Kombination mit der Handlung rund um Jaime war dies eine der besonders runden Folgen in Staffel 2.

Winterfell brennt. Theon kriegt am Ende, was er verdient, nämlich nichts. Was für ein Idiot. Meister Luwin stirbt, und Bran und Rickon fliehen mit Hilfe von Hodor und Osha. Sie hält nichts mehr in den Ruinen. Winterfell, ach man. Mein Lieblingsort… Gut, dass sich Osha um die zwei jungen Starks kümmert. Vermutlich wird deren Storyline eine meiner Favoriten in der kommenden Staffel.

Für Romantik sorgte einer der anderen Starks. Es ging schnell bei Robb und Talisa. Ihre Chemie ist einfach umwerfend. Mehr davon, bitte. Endlich folgt mal jemand seinem Herzen. Richard Madden als Robb ist toll gecastet, und seine Rolle ist so cool geschrieben. Wer würde sich ihm nicht anschließen – oder ihn heiraten? Er könnte ein junger Ned Stark sein (ebenso wie Arya). Die Familie ist einfach super herausgearbeitet. Robb, mach die Löwen fertig!

Drachen retten nicht jeden Tag

Mit einem Handlungsstrang war ich leider nicht zufrieden, nämlich dem unserer Lieblingsdrachenmutter Daenerys. Schuld daran sind weder Daenerys noch ihre Kinder. Die Umsetzung hat mir nicht gefallen. Es war so vorhersehbar, dass die kleinen Drachen geklaut würden. Die Offenbarung der Macht des Hexenmeisters von Qarth ließ mich ernsthaft zweifeln, wie Daenerys ihre Kinder zurück bekommen sollte. Da werden alle Meister von Qarth einfach mal eben ausgelöscht! Der Hexenmeister zeigt seine (vielen) wahren Gesichter. Wie soll man ihn besiegen? Nun… Am Ende geht es ganz schnell. Viel zu schnell. Wo ist seine Macht so plötzlich geblieben? Etwas enttäuscht hiervon wurde ich immerhin durch ein cooles Finale entschädigt, in dem Daenerys den “König” von Qarth in dessen leeren Tresorraum sperrt.

Ich habe gelesen, dass die ganze Geschichte rund um die gestohlenen Drachen nicht in den Büchern vorkam. Ich kann mir vorstellen, dass das zweite Buch nicht genügend Handlung für die Geschichte rund um Daenerys hergab und sich die Macher der Fernsehadaption deshalb gezwungen sahen, viel dazu zu dichten. Einige Szenen sind gelungen, andere leider nicht. Insgesamt bin ich mit der Handlung nicht warm geworden. Es fühlte sich gestreckt an.

Jon Snow hat einen neuen Fan, so glaubt man. Doch er fällt auf Venusfliegenfalle und Wildlingsfrau Ygritte herein. Wird er sich den Wildlingen anschließen? Die letzte Folge endet, womit die allererste Folge von Staffel 1 begonnen hat, nämlich den Weißen Wanderern und Untoten. Sie greifen die Nachtwachenexpedition an. Warum sind das so viele? Ohje.

Lieblingscharaktere

Wenn nicht Tyrion (Peter Dinklage), wer sonst? Er hat King’s Landing gerettet. Folge 9 war seine Sternstunde. Leider wurden wenige davon Zeuge. Wir wissen es, Tyrion. Auf Platz 2 setze ich Osha (Natalia Tena), weil sie ihr Leben für die Stark-Jungen riskiert. Das Haus Stark hat sie als Gefangene gut behandelt, das versucht sie nun gut zu machen. Ich hatte eine Träne im Auge, als sie Meister Luwin von seinen Schmerzen erlöste. Bitte Tonks, pass auf die Jungs auf! Dritte wird eine weitere Dame, nämlich Brienne von Tarth. Jede Szene mit ihr ist einfach cool. Gwendoline Christie ist die perfekte Darstellerin für die Rolle. Brienne hat eine echt schwere Aufgabe vor sich. Mit Jaime ist nicht zu spaßen. Beware!

Und diese Figuren wünsche ich auf den Mond

Ein weiteres Mal geht die Goldmedaille an den Goldschopf mit Goldkrone. Joffrey (Jack Gleeson) hat nichts, gar nichts dazu beigetragen, dass King’s Landing dem Angriff standgehalten hat. Dieses feige Würstchen. Nun lässt er Sansa links liegen, um sich mit Margaery Tyrell zu verloben. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das etwas gutes oder ziemlich, ziemlich schlecht ist. Theon (Alfie Allen) ist und bleibt eine Enttäuschung. Für den Mord an den zwei unschuldigen Kindern und seine generelle Nichtsnutzigkeit, die in der Verwüstung Winterfells endete, kriegt er Silber. Ygritte (Rose Leslie) mag ich nicht, in diesem Fall reicht das für Platz 3. Sie hat die Nachtwache angegriffen und Jon zu den Wildlingen geführt. Wehe, du krümmst ihm auch nur ein Haar!

Gesamtfazit und Ausblick

Staffel 2 war eine gute Staffel. Ich habe mit meinem Anspruch gekämpft, dass sie genauso gut wie Staffel 1 sein muss – doch Staffel 1 hatte den Vorteil, dass sie uns in diese spannende Welt eingeführt hat, in der alles neu war. Damit kann man eine zweite Staffel selten vergleichen. So oder so, Staffel 2 hat mich mit erinnerungswürdigen Szenen und insbesondere einer perfekten Folge 9 begeistert. Folge 10 hat die Wogen anschließend geglättet (Daenerys, Arya), bestehende Konflikte verdeutlicht (Tyrion und Tywin) und einigen Charakteren neue Aufgaben gegeben (Bran und Rickon, Brienne und Jaime, Arya, Jon und die Wildlinge), die sie in Staffel 3 lösen müssen – oder bei ihrem Versuch sterben.

 

 

 

 

Simon

Redakteur Moviefalcon.de, Film-, Kino-, Oscarenthusiast! Wenn nicht gerade unterwegs in einer weit entfernten Galaxis, dann sicherlich mit Mad Max auf der Fury Road oder zu Besuch im Grand Budapest Hotel.

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